20. März 2020 | Predigt Handout

Vertrauen und ein gemeinsames Gebet

Das große Thema in der Bibel ist Vertrauen. Vertrauen ist das, was Gott uns lehren möchte. Die Umwelt, das Böse, alles mögliche scheint uns sagen zu wollen, dass Vertrauen dumm ist, dass man sich um sich selbst kümmern muss, dass das Leben gefährlich ist, dass Gott etwas gegen uns hat.

Gott hält dagegen. Er offenbart sich immer wieder und erklärt uns, dass wir vertrauen können und sollen.

Es ist das Thema Gottes: Vertraue.

Und Vertrauen ist auch unser großes Lebensthema. Alle Krisen unseres Lebens stellen das Vertrauen auf den Prüfstand. Corona stellt das Vertrauen auf den Prüfstand. Versagen und Schicksalsschläge sagen uns, dass wir uns durch Misstrauen schützen müssen. Vertraue nicht, sondern hamster.

Aber Misstrauen isoliert uns, und macht uns deshalb krank. Wer misstraut muss vorsichtig sein, auf Distanz halten. Durch Vertrauen werden wir sicherer, gelassener, ruhiger, reflektierter.

Deshalb möchte ich gerne mit uns in die Bibel schauen, was Jesus uns zum Thema Vertrauen sagt.

Unter diesem Gesichtspunkt „Vertrauen“ bin ich auf die Bergpredigt gestoßen – diese große und bedeutungsvolle Rede, die Jesus gehalten hat. Den Menschen, die zugehört haben, stand der Mund offen, so beeindruckt waren sie. Diese Worte haben so viel Kraft. Aber warum?

Vor allem deshalb, weil sie aus einem ungebrochenen Vertrauen heraus reden. Jesus hat ein Vertrauen, dass uns abhanden gekommen ist. Jetzt möchte ich mir mit uns etwas genauer das Gebet anschauen, dass Jesus in der Bergpredigt formuliert: Das Vaterunser.

1 Unser Vater…

Es beginnt damit, dass wir gemeinsam Gott ansprechen. Es heißt nicht: Mein Vater im Himmel – sondern unser Vater.

Unser Vater im Himmel ist nicht unser Vater auf der Erde. Unser Vater auf der Erde ist ein Mensch. Mit allem was dazu gehört. Hoffentlich liebevoll. Aber auch fehlerhaft. Vielleicht sogar sehr verletzend. Was unseren menschlichen Vater angeht ist unser Vertrauen gebrochen. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

Eltern sind die Menschen, die uns ins Leben bringen, die uns Vertrauen beibringen, indem sie für uns da sind. Wenn es gut läuft, dann sind Eltern bis ins hohe Alter Vertrauenspersonen für uns.

Jesus lehrt uns, dass Gott unser Vater ist. Vertrauenswürdig. Ein Vater möchte gerne, dass seine Kinder erwachsen werden. Eigenständig. Und doch bleibt er ein Leben lang eine Vertrauensperson, eine Hilfe für uns.

Wir können uns vertrauensvoll an Gott wenden. Wir sind nicht alleine. Egal, was passiert.

2 Dein Name, dein Reich, dein Wille

Nicht mein Name, nicht mein Reich und nicht mein Wille. Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. (Vers 9+10)

Damit sagen wir, dass Gott vertrauenswürdig ist. Es ist besser, wenn sich Gottes Wille durchsetzt, als unser Wille. Um so mit Jesus beten zu können, brauchen wir Vertrauen.

Vielleicht gehst du davon aus, dass Gott allmächtig ist. Und allwissend. Die Frage ist dann naheliegend: Wenn das so ist, warum gibt es solche Krisen? Warum sterben Menschen? Dann lässt Gott dass doch zu. Er weiß es. Er könnte es ändern. Aber er tut es nicht. Will Gott das so? Wie kann man jemandem vertrauen, der Leid verhindern könnte, es aber nicht tut?

Jesus erklärt mit unserem Gebet: Gottes Name wird eben nicht flächendeckend geheiligt. Gottes Reich ist noch nicht da. Gottes Wille geschieht nicht durchgängig. Wir beten dafür, dass es passiert.

Dieser Bitte steht entgegen, dass Menschen verehrt werden. Oder materielle Güter. Vermutlich tun wir das sogar selbst. Dieser Bitte stehen menschliche Reiche entgegen. Dieser Bitte steht entgegen, dass unser Wille ungut durchgesetzt wird.

Wir beten also mit diesem Gebet auch „gegen“ uns selbst. Wir beten in dem Bewusstsein: Auch in meinem Leben ist es noch nicht so. Ich setzte mich manchmal lieber selbst durch, als auf Gottes Willen zu setzen.

3 Unser tägliches Brot

Unser tägliches Brot gib uns heute. (V11)

Diese Lektion ist sehr schwer. Für mich auf jeden Fall. Ich habe lieber vorgesorgt. Vermeintlich sicher. Gehamstert.

Jesus sagt: Betet darum, dass ihr für einen Tag versorgt seid. Denkt an diesen einen Tag. Macht euch keine Sorgen darum, ob die Versorgung am übernächsten Tag auch noch funktioniert.

Es geht nicht darum, vernünftig zu planen und etwas zu sparen. Jesus redet von der Sorge als Gegenteil vom Vertrauen.

Wir leben davon, zu vertrauen und nicht uns zu sorgen. Vertrauen, dass ich morgen noch geliebt werde. Vertrauen, dass Menschen mich nicht verlassen. Vertrauen darauf, dass Gott mein Herz morgen schlagen lässt. Vertrauen, dass die Sonne morgen wieder scheint. Sorgen ändert nichts.

Mit dieser Bitte machen wir uns bewusst: Wir wissen uns von Gott abhängig. Und wir bitten nicht ängstlich. Wir versuchen nicht zu überreden. Sondern vertrauend.

4 Schuld

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. (Vers 12)

Schuld zerstört Vertrauen. Je näher uns eine Person steht, desto tiefer kann es uns treffen. Es gibt nur diesen einen Weg aus dem Schuld-Misstrauen: Vergebung.

Abstand kann auch helfen. Aber ohne die Schuld ein Stück weit abzugeben, wegzugeben, zu vergeben, arbeitet sie in uns.

Schuld zu vergeben bedeutet nicht, sie zu vergessen. Blauäugig zu werden. Es bedeutet auch nicht, sich leichtfertig wieder in die Hände von Menschen zu begeben, die Böses im Sinn haben.

Interessant ist, dass Jesus zu diesem Punkt des Gebets anschließend noch einen Gedanken erklärend nachschiebt. Er sagt: Wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr den Menschen aber nicht vergebt, dann wird euer Vater euch eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ (Vers 14+15)

Anders als mit Vergebung lässt es sich nicht vertrauend zusammen leben. Und Vertrauen ist das, was wir existentiell brauchen.

Dieses Gebet beschreitet einen Weg. Auch bei dieser Bitte beten wir quasi „gegen“ uns selbst. Gegen unsere Abwehr zu vergeben. Realistisch gesehen sind wir nämlich lernende, was Vergebung angeht.

Das Gebet sagt also nicht: Wenn du noch nicht allen vergeben hast, dann sieht es schlecht bei dir aus. Dann bist du raus. Nein. Sondern: Ich bete in dem Wissen, dass ich das Gebet nötig habe. Ich bete in dem Wissen, dass ich meine liebe Not mit der Vergebung habe. Ich bete in der Hoffnung, dass ich mich mit Gott auf den Weg mache zu vergeben.

Ich bete darum, etwas zu empfangen und es weiterzugeben. Etwas, was unsere Welt – und ich – dringend brauchen.

5 Das Böse

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. (Vers 13)

Das Böse ist eines der großen Rätsel der Menschheit: Wo kommt es her? Das Böse taucht auf und bedroht uns. Wie kann es sein, dass Menschen, die vor Krieg und Not geflohen sind, an eine Grenze gebracht werden, wo sie weder vor noch zurück können? Wieso werden Menschen zum Spielball gemacht – und das in unserer zivilisierten Welt?

In diesem Gebet erkennen wir an, dass wir gegen das Böse nicht resistent sind. Wir werden dazu versucht und dann kann es passieren, dass es in uns auftaucht – nicht nur bei den anderen.

Im Moment ärgere ich mich über die, die Hamsterkäufe machen. Aber wenn ich in ein Geschäft komme und leere Regale sehe, bin ich versucht doch mitzumachen: Wer weiß, ob ich sonst noch etwas abbekomme?

Die Versuchung ist stärker und reizvoller, als wir vielleicht meinen. Wir beten, dass wir Schutz brauchen – und noch mehr als das: Erlösung.

6 Hoffnung

Das Gebet endet mit hoffnungsvollen Worten. Es besteht keinen Zweifel, dass Gott sich durchsetzen wird. Es ist nicht so, dass das Böse ein ebenbürtiger Machtbereich wäre, der in Frage stellen kann, wer das Sagen hat. Es gibt neben Gott überhaupt keine weitere Machtzentrale.

Es ist völlig klar, wem Reich, Kraft und Herrlichkeit gehören.