7. Februar 2020 | Predigt Handout

Grenzerfahrung Scheitern

1 Kämpfe

Verschiedene Kämpfe erwarten uns im Leben: Prüfungen, Kinder erziehen, Krankheiten, Auseinandersetzungen, Hilfsbereitschaft anbieten oder nicht?

In welchen Kämpfen steckst du gerade?

Israel steht im Kampf gegen die Philister. Sie sammeln sich, sortieren sich und dann wird verglichen: Was haben wir, was haben die anderen? Was man halt so macht, bevor es zur Sache geht.

Wir sind motiviert in einen Kampf gegangen. Wir hatten lautere Absichten, wir hatten schon Erfahrung in dem Gebiet. Dann passiert es: Wir scheitern.

2 Scheitern

Israel wird geschlagen. Sie verlieren 4000 Mann. Das ist keine totale Niederlage, aber ein großer Verlust.

Woran bist du gescheitert?

Israel hat den Kampf verloren und mit hängenden Köpfen kommen sie ins Lager zurück. 4000 Leute fehlen. Nach dem Scheitern ist man nicht mehr so wie vorher. Die Verluste kommen nie wieder zurück. Der Mut ist gebrochen. Was man vorher geglaubt hat, kann man nicht wieder einfach glauben. Scheitern ist eine existentielle Bedrohung.

3 Mit Scheitern umgehen

3.1 Warum

»Warum hat der Herr das zugelassen? Warum konnten uns die Philister heute besiegen?« (1. Samuel 4,3)

Warum habe ich die Prüfung nicht bestanden? Warum bin ich krank geworden? Warum ist die Freundschaft gescheitert? Warum kann ich mich nicht besser beherrschen? Warum hat Gott meine Gebete nicht gehört?

„Warum?“ ist eine Frage mit einem schlechten Ruf.

Die Frage muss aber kommen. Sie ist wichtig. Wenn man scheitert sollte man auch gut darüber nachdenken, warum man gescheitert ist.

3.2 Dem Scheitern Aufmerksamkeit schenken

Es gibt eine Richtung, in die die Warum-Frage gerne aufgelöst wird: Ist doch klar, warum. Wir hätten mehr…

Die eigentliche Richtung war richtig. Aber wir hätten noch mehr… Das System ist nicht falsch. Wir haben nur einen Fehler gemacht.

Israel macht einen Fehler: Sie haben zu schnell eine Lösung parat und bei dieser Lösung müssen sie sich selbst nicht ändern.

3.3 Schnelle Lösungen

Sie berieten sich und beschlossen: »Wir wollen nach Schilo senden und die Bundeslade ins Lager holen! Dann wird der Herr mitten unter uns sein und uns gegen unsere Feinde helfen.« (1. Samuel 4,3)

Das ist die Fromme-Schema-Standardantwort. Das ist eine Spielart von: „Wir müssen mehr…“ Das fatale: Die Bundeslade war heilig. Dieses Ding hatte wirklich Macht – so schien es.

So ähnlich ist es mit dem Beten. Beten ist eine Macht. Aber ich mag den Satz nicht mehr hören: „Wir müssen mehr beten!“ – so, als wäre damit alles gesagt und als wäre das des Rätsels Lösung. So wie Israel weiß: Wir müssen nur die Bundeslade zücken, dann geht’s wieder gut weiter.

Und wenn man mehr gebetet hat und es nichts hilft, kommt jemand und erklärt einem: Du musst nicht nur genug beten, sondern auch richtig.

Israel holt die Bundeslade ins Lager um dann erneut anzugreifen. Mit Gott versteht sich. Sie verlieren. Hofni und Pinhas, Elis ruchlose Söhne, sterben bei der Lade. Mit ihnen weitere 30.000 Menschen. Die Philister nehmen die Bundeslade einfach mit.

4 Ikabod

Elis Schwiegertochter, die Frau von Pinhas, ist gerade schwanger. Als sie vom Tod und Chaos hört, gehen die Wehen los und sie bekommt ein Kind. Sie verliert das Bewusstsein und nimmt ihr Kind nicht mehr wahr. Das wird Ikabod genannt, die „Nicht-Herrlichkeit“. Die Herrlichkeit ist verschleppt.

Die vermeintliche Lösung war ein Desaster und die Folge ist Depression. Verzweifeln. Sich verkriechen.

Manchmal ist das so, als würde die Wunderwaffe Gebet wie entthront. Was bleibt da noch übrig?

Der Priester Eli sitzt während der Schlacht am Heiligen Zelt. Als ein Bote mit der schlechten Nachricht kommt – Lade weg, Söhne tot – fällt er rückwärts vom Sessel, bricht sich das Genick und stirbt. Die verlorene Bundeslade überlebt er nicht.

Bist du auch schon mal so gescheitert? Du dachtest, du wüsstest, wie es funktioniert. Aber Gott hat nichts getan. Und jetzt steckst du in der Verzweiflung. Ikabod. Herrlichkeit ist verschleppt. Die christliche, geistliche, göttliche Herrlichkeit ist dir verloren gegangen.

Das ist eine Grenzerfahrung. Wie gehst du damit um?

Israel tut gar nichts mehr. Nur Gott tut etwas. Die Bundeslade bekommt den Philistern nicht gut. Gott macht Ärger. Es dauert nicht lange und die Philister lassen die Bundeslade unbemannt mit einem Kuhgespann über die Grenze bringen.

Nach kurzem Zwischenaufenthalt wird die Bundeslade von Priestern geholt und an einem sicheren Ort bewacht. Dort bleibt sie 20 Jahre. Sie ist wie vergessen. Das Wundermittel, das Zeichen der Nähe Gottes, landet in der Versenkung. Niemand will etwas damit zu tun haben. Zu unberechenbar.

Ist Gott so? Zu heilig? Zu unberechenbar? Zu angsteinflößend? Zu unverständlich? Ich zu unheilig? Gebet hat nichts genutzt, besser ich komme ohne es klar?

5 Fazit

Wir machen zu schnell ein Schema aus Gott – oder aus dem Glauben. Wir wollen gerne wissen, wie etwas funktioniert. Aber Gott fügt sich nicht ein. Wir hören Erfolgsgeschichten und kopieren sie. Aber Gott bleibt seltsam abwesend und wir sind verstört.

Wir stellen zwar die Frage nach dem Warum, aber halten sie nicht lange aus. Lieber greifen wir nach der nächstbesten Lösung.

Manchmal braucht es lange Zeit, bis wir wieder neuen Kontakt zu Gott finden.

Es braucht Zeit um langsam festzustellen, dass Gott Gutes schenkt, dass er segnet, dass seine Gegenwart wohltuend ist. Es braucht ein langsames Annähern und dann die Frage nach dem Vertrauen. Nicht nach dem richtigen System, nach dem neuen Konzept und gewinnbringenden Wegen.

Der entscheidende Moment in unserer Geschichte ist der kurze Augenblick in dem Israel die schnelle Lösung ergreift.

Vielleicht hast du auch schon mal die einfache geistliche Lösung gesucht und bist damit gescheitert. Was will Gott? Ich glaube: Reden. Anschauen, was passiert ist.