31. Januar 2020 | Predigt Handout

Grenzerfahrung Perlenstaub

Perlenstaub?

Bei Harry Potter ein Mittel um eine unsichtbare Zauberschrift sichtbar zu machen. Auch Jahrzehnte, nachdem sie geschrieben wurde.

Darum geht es heute: Um Perlenstaub. Aber nicht um Zaubermittel. Sondern um Menschen, die etwas zum Vorschein bringen. Etwas, was nicht für jeden sichtbar ist. Etwas, was gelesen werden muss.

1 Fromm aufgewachsen

Der junge Samuel half Eli beim Priesterdienst. (1. Samuel 3,1)

Mit ungefähr 3 Jahren ist Samuel vermutlich ins Heilige Zelt gekommen. Seitdem wächst er dort auf: Aufräumen, Opfer vorbereiten, Eli zur Hand gehen, Geräte reinigen und so weiter.

Er wächst in einem frommen Umfeld auf.

Bist du auch in einem frommen Umfeld aufgewachsen?

Man hört von Gott. Man bekommt vom Glauben erzählt, macht irgendwie mit und lernt biblische Geschichten. Man lebt damit, dass es Gott gibt und dass er da ist und dass es darauf ankommt, auf ihn zu hören. Mitunter empfindet man Druck: Von Gott kommt man schlecht los.

Wie empfindest du dein Fundament?

Samuel kennt das fromme Leben. Aber ein Fundament ist eben noch kein Haus.

2 Seltenheitswert: Die äußeren Einflüsse

In jener Zeit kam es nur noch selten vor, dass der Herr zu einem Menschen sprach und ihm etwas offenbarte. (1. Samuel 3,1)

Man kannte gewisse Geschichten aus der Vergangenheit. Aber das waren alles alte Geschichten. Was nicht passiert, ist, dass man weiß: Gott ist hier.

Das religiöse Leben ist da. Aber Gott?

Wir leben in einer Zeit, in der Christsein eher an Zulauf verliert. Hier ist keine Erweckung. Jedenfalls sehe ich sie nicht. Ich habe nicht das Gefühl, dass überall ernsthaft nach Gott gefragt wird.

3 Schwindende Kräfte: Die Fehler der Vergangenheit

Eli war fast erblindet. Eines Nachts schlief er an seinem gewohnten Platz… (1. Samuel 3,2)

Alte Stützen und wichtige geistliche Persönlichkeiten werden wirkungslos. Sie verschwinden. Der Nachwuchs ist korrupt. Wie soll es weitergehen?

Es ist hoffnungslos: Es ist wenig Gutes gewachsen. Eli hat Fehler gemacht. Ob er etwas hätte ändern können? Mit ihm scheint das Licht auszugehen.

Während die geistlichen Menschen an Kraft nachlassen, ist es, als würde jemand das Licht immer mehr dimmen. Die Fehler der Vergangenheit holen uns ein.

(Auch Samuels Söhne sind später nicht wie der Vater. Auch sie sind böse. Überheblichkeit hilft keinem.)

Schwinden deine Kräfte?

Auch wenn Eli selbst fast nichts mehr tun kann, gibt es doch noch etwas, was nur er kann. Ja, Eli muss sich Gottes Gericht beugen. Und ja, Eli hat Schuld auf sich geladen. Und nein, es nutzt nichts, sich über ihn zu erheben.

Er hat aber auch Samuel aufgezogen. Er hilft dem jungen Samuel Gottes Stimme zu hören. Bei Gott bist du nicht abgeschrieben. Auch nicht im Gericht.

Deine Erfahrung ist wichtig. Das ist deine Aufgabe. Und manchmal müssen wir auch das anschauen, was nicht gut gelaufen ist.

4 Nah dran

„…und auch Samuel schlief im Heiligtum, ganz in der Nähe der Bundeslade. Die Lampe im Heiligtum brannte noch.“ (1. Samuel 3,3)

Das die Lampe im Heiligtum noch brennt sagt uns, dass es noch Nacht ist. Sie wurde abends entzündet und brannte bis zum Morgen, bevor sie dann erlosch. Aber die Bemerkung sagt noch mehr.

Die Lampe wird eigentlich nicht nur Lampe genannt, sondern wörtlich „Lampe Gottes“. Sie symbolisiert, dass Gott noch da ist. Auch wenn es Zerbruch gibt: Die Lampe leuchtet. Auch wenn wir eigenem Versagen in die Augen schauen: Die Lampe leuchtet.

Samuel schläft genau da. Er schläft direkt in der Nähe der Lampe und der Bundeslade. Also bei den Gegenständen, die für Gottes Gegenwart stehen.

Es kann sein, dass du jahrelang nur etwas lernst, biblische Geschichten hörst, dich in christlichen Kreisen bewegst – aber es ist alles „nur“ religiöses Leben. Trotzdem ist das ein guter Anfang.

Das ist das Leben von Samuel. Aber dann passiert es.

5 Perlenstaub

In dieser Nacht ruft Gott Samuel. Das ist die Grenzerfahrung.

Da rief der Herr: »Samuel!« »Ja«, antwortete der Junge, lief schnell zu Eli und sagte: »Hier bin ich, du hast mich gerufen!« »Nein«, sagte Eli, »ich habe nicht gerufen. Geh wieder schlafen!« Samuel ging und legte sich wieder hin. (1. Samuel 3,4+5)

Gott spricht mit Samuel aber er merkt es nicht. Er erkennt ihn nicht. Es kann sein, dass Gott mit dir redet, aber du merkst es gar nicht. Du denkst, dass es deine eigenen Gedanken waren, die dir gekommen waren. Aber sie kamen von Gott.

Eli gibt einen wichtigen Tipp. Samuel soll sagen: »Sprich, dein Diener hört!« (1. Samuel 3,9)

Nicht: Ich hätte da mal eine Frage… Sondern: Was immer du auf dem Herzen hast, ich höre dir zu. Sprich! Bleibe nicht dabei, deine Gebetsanliegen zu nennen. Sondern lass Raum für Gott. Sag diesen Satz: „Sprich, dein Diener hört!“

Dass die Söhne ruchlos sind, ist das eine. Aber Eli ist dafür mit verantwortlich: „Er wusste, dass seine Söhne mich beleidigten, und doch hat er sie nicht daran gehindert.“ (1. Samuel 3,13). (Oder: Er hat sie nicht angefahren.)

Gottes Nachricht endete mit einer typisch jüdischen Schwurformel: “Es gibt kein Opfer, durch das diese Schuld jemals gesühnt werden kann; das habe ich geschworen.” (1. Samuel 3,14) Wörtlich ist der Satz nicht fertig. Er fängt mit ‘wenn’ an: Ich habe geschworen, wenn…

Es gibt kein zurück. Davon hört Samuel und es belastet ihn. Wie soll er damit umgehen? Verschweigen? Muss er das jetzt Eli auf die Nase binden?

Am Morgen öffnete er die Türen des Heiligtums. Er scheute sich, Eli zu sagen, was der Herr ihm offenbart hatte. (1. Samuel 3,16)

Ich glaube, dass jede Bemerkung in diesem Text bewusst gewählt und eingesetzt ist. Samuel ist der Türöffner. Er bewirkt, dass die Israeliten Zugang zu Gott bekommen. Er ist Perlenstaub. Das ist deine Berufung: Anderen Zugang gewähren. Mitwirken. Türen öffnen. Du bist nicht nur für dich in Gottes Nähe. Werde Perlenstaub.

Samuels ist nicht stolz, dass er Gottes Stimme gehört hat. Er schaut nicht auf Eli herab. Er freut sich nicht über Gericht. Er scheut sich. Wir brauchen keine gewalttätigen Menschen, die die Alten kritisieren.

Später berichtet Samuel dann. Eli fragt nach. Er will es wissen. Er fügt sich. Und Samuel reift. Er wächst. Wird sicherer. Und zuverlässig.