6. März 2020 | Predigt Handout

Grenzerfahrung Empowerment

1 Die Kunst andere zu bevollmächtigen

Empowerment sieht zwei Dinge: Eine Person und eine Aufgabe.

Was hat Bevollmächtigung mit einer Grenzerfahrung zu tun?

  • Ich muss mich trauen, mich als jemanden zu sehen, der andere beeinflusst und der leitet. Wer bin ich schon?

  • Ich fördere jemanden, der angesagter ist als ich, jünger, dynamischer, besser.

  • Bevollmächtigen deshalb zur Grenzerfahrung werden, weil der andere eine eigene Persönlichkeit ist. Menschen zu leiten ist das komplizierteste, was es gibt. Es ist eine Kunst.

Wer bevollmächtigt dich? Wen bevollmächtigst du?

2 Person & Aufgabe

Scheinbar zufällig begegnen sich Samuel und Saul. Aber Samuel ist vorbereitet: Der Herr hatte ihn am Tag vorher auf die Begegnung mit Saul vorbereitet… (1. Samuel 9,15)

Gott ist mit im Spiel. Deshalb ist Samuel aufmerksam. Bevollmächtigung beginnt damit, dass Gott mir seine Sicht zeigt und mich auf jemanden aufmerksam macht.

Gott bereitet dich vor. Hör genau hin. Ich hoffe und glaube und bete, dass Gott dir jemanden zeigt. Jedem von uns. Die Frage ist nicht, ob Saul Samuel sympathisch ist oder sein Talent sieht. Samuel schaut mit Gottes Brille auf ihn.

Wen zeigt Gott mir?

»Das ist der Mann, von dem ich gesprochen habe. Er soll mein Volk regieren.« (1. Samuel 9,17)

Der letzte Satz muss Samuel weh tun. Er will gar nicht, dass jemand über Israel regiert. Gott hatte Israel doch von menschlicher Herrschaft befreit. Er hatte sie aus dem Machtbereich des Pharaos geholt. Warum wollten sie sich jetzt wieder in eine menschliche Herrschaft begeben?

Aber obwohl Samuel nicht einverstanden ist, soll er den König salben. Wenn du die Kunst erlernen willst, jemanden zu bevollmächtigen, dann musst du dich manchmal von deiner Meinung oder von deinem Besserwissen verabschieden.

Gott sagt Samuel: „Den sollst du zum Anführer meines Volkes Israel salben. Er soll es aus der Gewalt der Philister befreien. Ich habe den Hilferuf der Israeliten gehört und will ihnen helfen.“ (1. Samuel 9,16)

Das ist die Aufgabe: Gott will Rettung. Samuel erfährt einen tieferen Sinn, eine wichtige Aufgabe. Gott lenkt den Blick weg von der Königsfrage.

Wer bevollmächtigt sieht einen tieferen Sinn, eine Not, eine sinnvolle Aufgabe. Ein Mensch entwickelt nur dann Power, wenn seine Aufgabe Sinn macht.

Vielleicht siehst du bis jetzt nur deine Meinung. Du bist kritisch gegen das, was gerade passiert. Du bist nicht einverstanden, vielleicht enttäuscht oder verletzt. Vielleicht hast du sogar Recht damit. Aber trotzdem kann es sein, dass Gott noch eine ganz andere Sache bewegt. Was ist das? Bleib nicht in der Kritik stehen. Sondern frage: Wen erwählt Gott? Wen beruft er? Mit wem geht es weiter? Und wozu?

3 Beeinflussen

Samuel geht bedacht vor. Man könnte auch sagen: Er beeinflusst. Er ist mit Gott im Gespräch und arbeitet auf die Situation hin, Saul zum König zu salben. Das macht er nicht mal eben, sondern vorbereitet.

Wer bevollmächtigt, der beeinflusst. Ist das nicht gefährlich? Manipulieren wir?

Es braucht ein lauteres Herz und eine gesunde Selbstkritik. Worum geht es mir? Um die Aufgabe? Um den Menschen? Um mich? Kann ich mich von meinen Vorstellungen verabschieden?

Dann pflanzt Samuel einen Gedanken in Saul: Du bist wichtig. Du hast eine große Aufgabe. Israel braucht dich: “Aber es gibt Wichtigeres: Ganz Israel setzt seine Hoffnung auf dich und deine Familie!” (1. Samuel 9,20)

Damit beeinflusst Samuel Saul. Empowerment funktioniert nur dann, wenn der andere hört und versteht: Du bist wichtig. Wer müsste das mal dringend hören?

Zeige einem anderen Menschen, wofür er gebraucht wird. Aber nicht mal eben. Sondern überlegt. So, dass der andere es sehen und verstehen kann. Bedacht. Mit Geduld.

Nachdem Samuel dann auch noch geschickt den Knecht weggeschickt hat, sind er und Saul und irgendwann alleine und dann salbt er ihn zum König. Ohne Publikum. Unter vier Augen. Ohne direkten Druck von anderen Menschen.

4 Barmherzigkeit

Als Saul von Samuel wegging, machte Gott ihn zu einem neuen Menschen. (1. Samuel 10,9). Wörtlich:… verwandelte Gott ihm das Herz in ein anderes.

Das ist eine tolle Aussage. Gott verändert Saul. Rechne damit, dass Gott einen Menschen verändert. Das ist nicht dein Job. Da sind wir begrenzt. Du kannst helfen, aber nicht verändern.

Gleichzeitig finde ich den Satz schwierig. Denn wenn man Sauls Geschichte weiter verfolgt, dann scheitert er. Was also bedeutet es, dass Gott ihn verändert? Oder anders gefragt: Wie sehr verändert sich ein Mensch, der an Jesus glaubt?

John Deere schreibt über sich: „Einst nahm ich das größte Stück Kuchen ohne auch nur ein Hauch von Schuldgefühl. Nachdem ich Christ geworden war, habe ich das nie wieder getan. Ich manipulierte die Menschen, damit sie mir das größte Stück Kuchen geben, und ich hielt mich für clever. Ich war kein besserer Christ geworden – nur ein Christ, der in seiner Boshaftigkeit kultivierter war. Ich bin nicht der Erste, der dieses Bekenntnis ablegt.” (Richard Deer: Selbst in der Finsternis. Wenn ein Vorzeige-Charismatiker mit sich selbst und dem Leben kollidiert. In: Aufatmen 1/2020. S. 29)

Saul verändert sich. Trotzdem ist das Böse in ihm nicht verschwunden. Auch bei uns nicht.

Noch einmal John Deere: „In der Gemeinde wurde mir gesagt, dass meine guten Taten als Christ schließlich die schlechten überwiegen würden. Dann predigte ich Versionen eben dieser Botschaft. Doch die Realität sah anders aus. Mein Leben blieb chaotisch. Ich habe nie aufgehört, Gottes Barmherzigkeit zu benötigen.“ (ebd.)

Ja, Gott verändert uns. Und trotzdem bleibt in uns diese „Ungeheuerlichkeit des Bösen“, wie Deere das nennt.

Wer bevollmächtigt, der rechnet damit, dass Gott einen Menschen verändert. Und ich glaube fest, dass er es tut. Aber wer bevollmächtigt, erwartet keinen Heiligen, keinen, dessen gute Taten die bösen überwiegen. Er ist nicht entsetzt, wenn er das Böse in einem Menschen sieht.

Das jemand scheitert oder Böses tut bedeutet nicht, dass Gott ihn nicht verändert hat. Es bedeutet nur, dass wir nie aus dieser Situation kommen, Barmherzigkeit zu brauchen. Oder wie Paulus es sagt: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen. (1. Korinther 13,13)

Ohne die drei ist Empowerment nicht möglich.

5 Fazit

Beeinflusse andere Menschen.

Bitte Gott darum, dass er dein Ohr öffnet, damit du den Menschen und die Aufgabe siehst.

Empowerment ist unser aller Aufgabe.

Lass dich nicht von dem Bösen abhalten. Du brauchst Glaube, Hoffnung und Liebe.