| Predigt Handout

29.10.23 hoffnungsvoll: Hoffnungsträger gesucht

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1 Meine Hoffnungsträger

Hoffnungsvoll stimmen mich solche Menschen, die nicht problematisieren, sondern Lösungen haben. Zwei Hoffnungsträger aus meinem Leben waren z.B. etwa zwanzig Jugendliche. Diese Gruppe war für mich Hoffnungsträger, weil man dort dazugehören konnte, weil man über Glauben reden konnte und sich etwas bewegte. Ein anderer Hoffnungsträger half mir, als ich beruflich am Boden war. Ich stand in einer Sackgasse mit schlechten Gefühlen. Er hat es geschafft, dass ich den Blick wieder heben und nach vorne sehen konnte. Hoffnungsträger zeigen dir wie es weitergeht, wenn du keinen Weg mehr siehst.

2 Einer der großen Hoffnungsträger

Ein großer Hoffnungsträger in der Bibel ist Mose. Das Volk war in einer ausweglosen Situation. Sie wurden festgehalten und zu Sklavenarbeit gezwungen. Gott begegnet Mose. Er redet mit ihm darüber, wie er eingreifen und sein Volk befreien will. Mose hört sich diese Worte an und findet sie richtig gut. Aber dann fällt Mose aus allen Wolken, als Gott meint: „Und du sollst das machen. Du sollst sie aus Ägypten führen. Ich sende dich.“ (Vgl. 2. Mose 3,10) Das ist der Zeitpunkt, wo Mose einen Hustenanfall bekommt. Als er dann doch geht, wird zunächst alles noch viel schlimmer als vorher. Hoffnungsträger zu sein bedeutet erstens, nicht nur zu reden, sondern anzupacken und mutig zu sein. Warte nicht auf andere, sondern geh voran. Zweitens bedeutet Hoffnungsträger zu sein, in Krisen und Misserfolgen durchzuhalten. Die ersten Meter schaffen viele.

3 Religion als Rauschmittel?

Marx hat den bekannten Satz geprägt, dass Religion Opium des Volkes sei. Er meinte damit, dass Religion benutzt wird. Menschen werden auf das Jenseits vertröstet und verändern deshalb nichts. Schon vor ihm hatte Ludwig Börne geschrieben: „Für Menschen, denen die Erde nichts mehr bietet, ward der Himmel erfunden.“ (https://www.katholisch.de/artikel/28011-nur-opium-des-volkes-karl-marx-und-die-religion) Laut Marx haben Menschen die Religion erfunden. Er plädiert dafür, die Illusion aufzugeben und damit einen Zustand aufzugeben, der eine Illusion braucht. Religion ist für ihn ein Heiligenschein für das Elend dieser Welt. (https://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/der-seufzer-der-bedraengten-kreatur) Was Marx aber auch verstanden hat: Es braucht eine Art Himmel oder eine Lehre von den letzten Dingen. Die hat er quasi auch entwickelt. Ich gebe Marx recht, dass Religion als Opium benutzt werden kann und auch so benutzt wird. Aber ich widerspreche ihm, dass das so in ihrem Wesen liegt. Die ersten Christen haben jedenfalls sofort und sehr praktisch die Welt verändert.

Tom Wright schreibt in seinem Buch „von Hoffnung überrascht“, dass wir „in der Gegenwart für die Zeichen auf jenen endgültigen Zustand arbeiten müssen, wenn Gott ‘alles in allem’ ist (…). Das wird sich natürlich radikal von der Art von Arbeit unterscheiden, mit der wir uns befassen würden, wenn unsere einzige Aufgabe darin bestünde, Seelen für einen unkörperlichen Himmel zu retten oder einfach Menschen dabei zu helfen, sich an einer erfüllenden Beziehung zu Gott zu erfreuen, als ob das der Sinn und Zweck aller Dinge wäre.“ (T.Wright: „Von Hoffnung überrascht“. S. 224) Christliche Hoffnung ist etwas anderes, als zu vertrösten. Wenn Jesus sagt, dass Gottes Reich nahe herbeigekommen ist, dann heißt das: Es ist nicht irgendwo dahinten, sondern direkt in deiner Nähe. Ich möchte mit euch drei Kategorien anschauen, die mir entscheidend zu sein scheinen, wenn es darum geht Hoffnungsträger zu sein: Gerechtigkeit, Schönheit und Evangelisation (ebd.).

4 Kategorien für christliche Hoffnung

4.1 Gerechtigkeit

Paulus schreibt: „Müssen wir denn nun noch damit rechnen, verurteilt zu werden? Nein, für die, die mit Jesus Christus verbunden sind, gibt es keine Verurteilung mehr.“ (Römer 8,1) Es geht im Kern vom Christentum um Gerechtigkeit. Der Mensch ist nicht in der Lage, Gerechtigkeit zu erreichen. Er ist darauf angewiesen, dass Gott ihn gerecht macht. Aber ist diese geschenkte Gerechtigkeit jetzt ein Freibrief, zu tun und zu lassen, was man will und die Freiheit auszunutzen? Manche machen daraus, dass es vor allem darauf ankommt, dass du deine Sünden erkennst und bereust, an der richtigen Stelle dein Kreuzchen setzt – nämlich bei Jesus – und damit vor der Hölle gerettet bist und in den Himmel kommst. Dahinter steckt die Vorstellung, dass diese Welt sowieso böse ist und vergehen wird. Um Gerechtigkeit muss man sich also nur insofern kümmern, dass ein Mensch glaubt, dass Jesus für ihn gestorben ist. Aber Paulus schreibt in dem gleichen Kapitel, in Römer 8 auch etwas über die Schöpfung: Ja, die gesamte Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, dass die Kinder Gottes in ihrer ganzen Herrlichkeit sichtbar werden. Denn die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, allerdings ohne etwas dafür zu können. Sie musste sich dem Willen dessen beugen, der ihr dieses Schicksal auferlegt hat. Aber damit verbunden ist eine Hoffnung: Auch sie, die Schöpfung, wird von der Last der Vergänglichkeit befreit werden und an der Freiheit teilhaben, die den Kindern Gottes mit der künftigen Herrlichkeit geschenkt wird.“ (Römer 8,19-21) Auch die Schöpfung wird erlöst? Es kann uns also nicht egal sein, was mit ihr passiert?

Paulus schreibt im gleichen Kapitel auch etwas über unser Verhalten: „So kann sich nun in unserem Leben die Gerechtigkeit verwirklichen, die das Gesetz fordert, und zwar dadurch, dass wir uns vom Geist ‘Gottes’ bestimmen lassen und nicht mehr von unserer eigenen Natur.“ (Römer 8,4) Was der Heilige Geist sagt, kommt nicht länger von außen – als ein Gesetz – sondern es kommt von innen. Mit anderen Worten: Es geht tatsächlich darum, Gottes Gerechtigkeit zu leben. Gott will in dir zum Zuge kommen. Das neue soll sich auswirken. Wir sollen geistlich leben und nicht berauscht durch Opium den Zustand belassen. Es kommt also durchaus darauf an, dass wir anfangen, diese Welt positiv zu verändern.

4.2 Schönheit

Ist Schönheit wichtig? Wenn wir uns als Menschen ernst nehmen, und wenn wir ernst nehmen, dass Gott Schönheit geschaffen hat, dann ist Schönheit sehr wichtig. Schönheit ist nur etwas anderes, als wir mitunter daraus machen. Schönheit ist Vielfalt, sie ist nicht Ideale und Gleichförmigkeit, sondern kommt durch Unterschiedlichkeit. Sie ist nicht eine Rangfolge von hässlich bis schön. Schönheit kommt durch einen liebenden Blick. Sie ist mehr als Pomp, sondern Schönheit ist ganzheitlich. Schönheit ist nahbar. Schönheit berührt uns.

Schönheit steckt in Beziehung: „Denn der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch nicht zu Sklaven, sodass ihr von neuem in Angst und Furcht leben müsstet; er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht und durch ihn rufen wir, wenn wir beten: „Abba, Vater!“ (Römer 8,15) Sklavenarbeit ist gleichförmige Arbeit. Sie werden ausgenutzt. Söhne und Töchter dagegen sind frei. Sie können sich entfalten und ihr Potential und ihre Schönheit kann zur Geltung kommen. Schönheit ist ein Hinweis darauf, frei zu sein. Wer frei ist, kreiert Schönes. Wer keinen Sinn für Schönheit hat, macht wenig Hoffnung und wirkt wie ein Sklave. Deshalb ist es nicht egal, wie ein Gebäude aussieht, in dem Christen sich treffen. Es ist nicht egal, ob ihre Lieder schön sind oder nicht. Kunstwerke sind keine Nebensächlichkeit. Schönheit nimmt ernst, dass wir Menschen sind und von Gott befreit wurden. Sie lässt hoffen.

4.3 Evangelisation

Es wäre zu wenig, nur für Gerechtigkeit zu kämpfen und schönes zu schaffen. Dazu gehört zentral, dass jeder Mensch, egal welchen Alters oder welcher sexuellen Identität oder welcher Nationalität, von Jesus gerufen wird ihm zu glauben. Allerdings gebe ich Tom Wright recht, wenn er schreibt: „Das Wort Evangelisation lässt es vielen Leuten immer noch kalt den Rücken herunterlaufen.“ (ebd. S. 239) Vielleicht wünscht du dir, dass jemand Jesus kennenlernt, obwohl du dich niemals als Evangelisten bezeichnen würdest. Genau um diesen Wunsch geht es.

Zum Schluss in Römer 8 schreibt Paulus: „Ja, ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch unsichtbare Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch gottfeindliche Kräfte, weder Hohes noch Tiefes, noch sonst irgendetwas in der ganzen Schöpfung uns je von der Liebe Gottes trennen kann, die uns geschenkt ist in Jesus Christus, unserem Herrn.“ (Römer 8,38-39) Kraft, die von nichts zu überwinden ist und die uns Menschen hält. Sicher geliebt werden. Gott möchte, dass wir die Liebe kennenlernen. Dafür braucht es Worte.

5 Fazit

Gerechtigkeit, Schönheit und Evangelisation ist ein schöner Dreiklang. Es geht darum, diese drei Kategorien für sich zu erleben und dann anzuwenden. Erstens: Jemand, der keinen Sinn für Schönheit hat, macht wenig Hoffnung. Da ist kein Funke, keine Begeisterung. Schönheit begeistert. Zweitens: Gott wird die Schöpfung erlösen. Es gilt, sich jetzt für diese Welt einzusetzen. Drittens: Ich wünsche mir, dass Menschen Gott kennenlernen. Diesen Wunsch gilt es zu pflegen, zu gießen und auszuprobieren.