| Predigt Handout

27.08.23 Entgiftung: Jakobs Familiendrama

Hier kannst du den Beitrag als pdf herunterladen: Jakob_Gen28+32_AB

Du bist ein Mensch mit viel Potential. Du hast eine Menge an Energie und Möglichkeiten. Aber es gibt auch Gift in uns: Schlechte Erfahrungen, zerstörerische Angewohnheiten, ungeklärte Streitigkeiten, Sündhaftigkeit. Auch in der Bibel entdecken wir vergiftete Menschen. Es wird beschrieben, wie Gott ihnen begegnet. Wie begegnet uns Gott und was ändert das?

Vorab spreche ich zwei Missverständnisse an. Erstens: Wenn wir Gott begegnen wird das Leben danach leicht, weil Gott uns heilt. Zweitens: Gott löst unsere Probleme und deshalb wird es leicht. Mir fällt keine Person in der Bibel ein, die ein leichtes Leben hatte, nachdem sie Gott begegnet ist. Eher ist es so, dass Gott Möglichkeiten schafft. Trotzdem ist es heilsam, wenn wir Gott begegnen…

1 Jakobs Familiendrama

Jakob kommt als zweiter Sohn nach seinem Zwillingsbruder Esau zur Welt. Schon im Bauch von Rebekka hatten sie sich gestritten. Als Esau geboren wird, krallt sich sein Bruder Jakob an seiner Verse fest. Trotzdem: Esau hat den Kampf gewonnen. In einer Gesellschaft, in der alle Hoffnung auf dem Erstgeborenen liegt, war es großes Pech als zweites auf die Welt zu kommen. Jakob kämpft mit List. Aber das Gift in seinem Leben hieß: Ich bin nur zweiter. So standen sich Esau und Jakob als Rivalen gegenüber und das machte auch vor den Eltern nicht halt. Einst waren sie ein Liebespaar, jetzt hatten beide ihren Lieblingssohn. Rebekka leitet ihren Sohn dazu an, ihren Mann und älteren Sohn übers Ohr zu hauen und den Segen der Familie an Land zu ziehen. Isaak geht davon aus, als Patriarch sein Ding durchziehen zu können.

Tatsächlich gibt sich Jakob als Esau aus und erschleicht sich den Familiensegen seines erblindeten Vaters. Er lügt ihn an. Der Vater merkt es erst, als es zu spät ist. Schon vorher hatte er Esau das Erstgeburtsrecht abgerungen. Als Esau jetzt den ganzen Betrug entdeckt und um den Segen des Vaters gebracht war, will er Jakob umbringen. Der flieht und läuft zu seinem Onkel. Dort baut er sich ein neues Leben auf. Aber auch bei seinem Onkel baut sich immer mehr ein Konkurrenzkampf auf.

Zu kurz kommen, an zweiter Stelle stehen, das Nachsehen haben, kämpfen, gewinnen, betrügen und betrogen werden, sich Liebe erkaufen oder erstreiten, und vor allem Konkurrenzkampf: Das sind die Themen und das Gift in Jakobs Leben. Was ist dein familiäres Drama? Gott hat einen Plan. Und Gott begegnet Jakob mehrmals. Das erste Mal als er alleine vor Esau auf der Flucht ist. Das zweite mal als er viele Jahre später mit Besitz und Großfamilie zurückkehrt. Obwohl Jakob viel Gift in sich hat und Gift versprüht, wird er zum Segensträger.

2 Erste Begegnung: Zusage

Jakob ist alleine unterwegs. Er hat sich zwar den Segen seines Vaters erschlichen. Aber dafür muss er um sein Leben fürchten und Hals über Kopf fliehen. Gott kommt im Traum. Jakob sieht eine Leiter, die zum Boden geht und in den Himmel reicht. Engel gehen auf dieser Leiter hoch und runter und oben auf der Leiter ist Gott und redet: „Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. Sie werden so zahlreich sein wieder Staub auf der Erde. Du wirst dich nach Westen und Osten, nach Norden und Süden ausbreiten. Durch dich und deine Nachkommen sollen alle Völker der Erde gesegnet sein. Siehe, ich bin bei dir und behüte dich überall, wohin du auch gehst. Ich bringe dich zurück in dieses Land. Ich werde dich nicht verlassen, bis ich vollbringe, was ich dir verheißen habe.“ (1. Mose 28, 13-15) Gott knüpft an das an, was er Jakobs Opa Abraham versprochen hatte: Ein großes Volk soll durch sie entstehen und Land besitzen (1. Mose 12). Sie sollen sich nicht Konkurrenz, sondern Segen für alle anderen Menschen werden. Gott initiiert eine Segensgeschichte und das tut er mit solchen vergifteten Typen wie Jakob einer war. Jakob, der Zweite, der zu kurz Gekommene, der darum kämpft Anerkennung zu bekommen, erfährt hier von Gottes Plan mit ihm. Es ist das eine, was Menschen mit uns machen oder mit welchen Mitteln wir selbst versuchen unser Leben zu meistern. Aber das andere ist, was Gott durch uns tun will. Was ist Gottes Perspektive für dein vergiftetes Leben?

Jakob wacht am Morgen auf und stellt fest, dass Gott an dem Ort ist. Ungeahnt war er bei ihm. Darauf war er nicht vorbereitet. Das erschrickt ihn. Er spricht von einem furchtbaren, schauerhaften Ort, an dem er ist. Gleichzeitig ist dort ein Haus Gottes und das Tor zum Himmel. Er ist einfach erschrocken, dass Gott so nahe gekommen ist und wird bescheiden. Er will nur etwas zum Anziehen und zu Essen haben und unversehrt bleiben. Darum bittet er Gott.

So geht es für Jakob weiter. Die nächsten 20 Jahre sind für ihn erfolgreich. Er kommt alleine zu seinem Onkel und geht mit zwei Frauen, elf Söhnen und einer Menge Besitz zurück. Aber auch dort flieht er wieder. Er kehrt in seine Heimat zurück. Wieder begegnet ihm Gott unterwegs. Und wieder ist Jakob alleine.

3 Zweite Begegnung: Kampf

Jakob steht kurz davor, seinem Bruder zu begegnen und er hat keine Ahnung, wie Esau reagieren wird. Der zieht ihm mit 400 Krieger entgegen. Ob die das freundliche Begrüßungskomitee bilden oder als Vollstrecker kommen, ist unklar. Jakob hat Angst. Er stellt Geschenke zusammen, um seinen Bruder gnädig zu stimmen und geht ganz am Ende der Karawane. Mitten in der Nacht lässt er seine gesamte Familie samt Angestellten, Vieh und Besitz die letzte natürliche Barriere, einen Fluss, überqueren. Er selbst bleibt alleine auf der anderen Seite zurück. Das ist der letzte Abend vor einem entscheidenden Tag.

Kaum ist er alleine, kämpft ein Mann mit ihm. Wer ist dieser Mann? Was will der? Und warum ringt er mit Jakob? Will er ihn besiegen oder sogar ausschalten? Sie kämpfen lange, aber niemand gewinnt. Als es hell wird, will der Mann gehen, aber Jakob lässt ihn nicht. Der fremde Mann schlägt auf Jakobs Hüfte und renkt sie aus. Er ist also doch stärker, wollte aber vorher Jakob scheinbar nicht verletzen. Der Kampf steht für Jakobs Lebenskampf. Gott begegnet ihm darin. Gott begegnet ihm nicht als der, der alle Probleme wegnimmt, sondern mit ihm in den Kampf einsteigt und ihm zeigt, was Jakobs Stärke ist. Der Mann will gehen, aber Jakob hält ihn fest: „Ich lasse dich erst los, wenn du mich gesegnet hast!“ (Genesis 32,27b)

Später behauptet Jakob, dass er Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen hat. Gott als Kämpfer? Wenn Gott dir begegnet, dann nicht unbedingt so, dass du eine warme und nette Stimme hörst, die dir alle deine Probleme abnimmt. Gott kommt geheimnisvoll. Er kommt nachts. Er überfällt Jakob quasi. Manche sprechen sogar davon, dass der Teufel hier im Spiel ist und gegen Jakob kämpft. Aber Jakob deutet die Szene anders. Für ihn ist die Begegnung heilsam.

Rembrandt hat unsere Szene sehr interessant gemalt: Der Mann ist ein Engel. Er ist weiblich und die freie Schulter wirkt erotisch. Sein Gewandt strahlt weiß. Es sieht nicht so aus, als würde der Engel mit Jakob ringen. Jakob hat die Augen ganz oder fast geschlossen und ruht in den Armen des Mannes. Rembrandt hat die Szene nicht als brutalen Ringkampf dargestellt, sondern als liebevolles Ringen – so wie Eltern mit ihren Kindern ringen, damit die Kinder ihre Stärke entdecken können.

Gott entgiftet und er begegnet Jakob in dem Gift, dass ihn Zeit seines Lebens begleitet. Was ist dein Gift? Und wie ringt Gott mit dir?

Der Mann fragt Jakob nach seinem Namen. Er wird einen anderen Namen bekommen. In dem Bericht taucht eine komische Formulierung auf, die man vielleicht übersetzen kann mit: „Man wird nicht mehr von einem Jakob sprechen.“ Der neue Name wird Israel sein, weil er mit Gott und Menschen gekämpft und gesiegt hat. Noch hat er diesen Namen nicht. Aber wird ihn bekommen. Davon wird drei Kapitel später in der Bibel berichtet, als Gott ihm ein drittes Mal begegnet (1. Mose 35). Damit legt Gott einen Perspektivwechsel in das Leben von Jakob. Er belässt ihn nicht in dem, was er war, nicht in dem Gift, sondern in einer anderen Perspektive. Dafür begegnet Gott ihm auf eine komische und dunkle Art und Weise, bevor es hell wird. Welche Perspektive hat Gott für dich? Unsere Vorstellung ist manchmal, dass Gott kommt und für uns alle unsere Probleme löst. Stattdessen wird Gott hier zu dem, der Jakob angreift und mit ihm ringt. Zum Schluss wird gesagt, dass Jakob die Sonne aufgeht und er hinkt, wegen seiner Hüfte. Jakob wird gerettet, es wird hell für ihn und gleichzeitig hat er Spuren des Kampfes. Sein Leben ist nicht leicht. Und trotzdem scheint ihm die Sonne. Das ist Gottesbegegnung. Gott nimmt uns nicht unsere Verantwortung. Er macht das Leben auch nicht zum Dauerflow. Gott geht in unsere Tiefe. Er kämpft mit uns. Aber er lässt uns die Sonne aufgehen. Er schafft einen Perspektivwechsel, dem Gift in uns zum Trotz.