| Predigt Handout

15.10.23 hoffnungsvoll: Warum es vernünftig ist zu hoffen

Hier kannst du diese Zusammenfassung der Predigt herunterladen: vernünftig_AB

In der vergangenen Woche habe ich eine Person zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge begleitet. Die Person hofft, dass sie in Deutschland bleiben darf. Aber macht die Person sich vielleicht falsche Hoffnungen? Ist es vernünftig zu hoffen? Für manche ist das Gegenteil von hoffen pessimistisch zu sein. Aber wenn ich pessimistisch bin, hoffe ich auch. Ich hoffe nämlich darauf, mich nicht über den Tisch ziehen zu lassen. Ich hoffe darauf, die Gefahr, die vor mir liegt, ins Visier zu nehmen und sie zu überwinden. Ich hoffe, dass ich mir keine falschen Hoffnungen mache – sondern richtige. Das Gegenteil von hoffen ist nicht pessimistisch zu sein, sondern zu verzweifeln. Wenn ich gar nichts zu hoffen habe, dann kann ich nur noch verzweifeln. Und wer verzweifelt ist, der wird entweder untätig oder neigt zu Kurzschlusshandlungen. Zu verzweifeln scheint mir nicht vernünftig zu sein. Erstens bringt es nichts. Und zweitens gibt es gute Gründe zu hoffen – immer. Zumindest gehört laut der Bibel Hoffnung zu den Dingen, die unzerstörbar sind. Die Frage bleibt natürlich trotzdem, ob wir auf etwas hoffen, was uns später nicht enttäuschen wird.

Hoffen bedeutet, dass wir auf etwas setzen, was wir nicht wissen. Jedenfalls nicht in dem Sinne wissen, dass es nur diese Möglichkeit gibt und keine andere. Das liegt an dem Wesen der Hoffnung. Zu hoffen ist aber etwas anderes, als naiv zu sein. Ich hoffe darauf, auch morgen noch geliebt zu werden. Ist das naiv? Weiß ich das? Natürlich nicht. Es könnte auch anders kommen. Aber alles, was ich bisher als richtig in meinem Leben erkannt habe, lässt mich darauf hoffen. Wissen bedeutet nicht, dass es nur diese Möglichkeit gäbe. Wissen bedeutet aber, dass ich mich auf meine Erfahrung verlasse.

Kleines Zwischenfazit: Es scheint mir vernünftig zu sein zu hoffen. Selbst der Pessimist hofft. Eine negative Haltung bringt uns dagegen nicht nach vorne. Verzweiflung hat noch niemandem geholfen. Die Frage bleibt trotzdem, worauf ich hoffe.

Als Jugendlicher kam bei dir Frage auf: „Was ist, wenn du später vor Gott stehst und er dir sagt, dass es leider nicht gereicht hat? Mit welchem Recht kann ich darauf hoffen, dass es reicht, was ich tue und glaube?“ Worauf hoffen Christen eigentlich? In dieser Predigt geht es um zwei grundlegende Bibelverse, die mir Hoffnung machen. Ich hoffe und bete, dass sie das auch bei dir bewirken.

1 Gott denkt Gutes

Mitten in einer verzweifelten Phase, stieß ich auf folgenden Vers: „Denn ich weiß, was ich mit euch vorhabe. – Ausspruch des HERRN – Ich habe Pläne des Friedens und nicht des Unheils. Ich will euch Zukunft und Hoffnung schenken. (Jeremia 29,11)

Ich weiß, dass diese Worte ursprünglich nicht an mich gerichtet sind, sondern an das Volk Israel. Ich glaube aber trotzdem, dass diese Worte auch an mich gerichtet sind und davon reden, wie Gott über mich denkt. In einem Moment war mir klar, dass Gott mir diese Worte sagt. Es war, als würde er zu mir kommen und mir eröffnen, wie er ist. So erlebe ich das mit der Bibel immer mal wieder: Gott nutzt Verse, um mir zu zeigen, was er denkt.

Was sagt der Vers?

Gott redet über seine Pläne. Sie sind nicht kriegerisch, sondern heilsam. Sein Plan für uns ist Frieden. Sein Plan sieht Zukunft und Hoffnung für uns vor. Meine Befürchtung war, dass ich nicht genüge. Gott stellt dem seinen Plan entgegen. Ich war mir bis unsicher, wie Gott über mich denkt. Aber mit unserem Vers hat Gott einfach zugesagt: „Ich kümmere mich um dich.“ Ich kenne mich und ich kenne eine Menge Punkte, in denen ich etwas nicht glaube, obwohl ich es gerne glauben würde. Auch Gott gegenüber. Gottes Plan sieht Frieden für uns vor. Und wenn Gott einen Plan macht, dann ist das etwas anderes, als wenn ich einen Plan mache. Ist es vernünftig zu hoffen? Wenn Gott so über mich denkt, dann ist es vernünftig.

2 Vorzeichen geändert

Ein zweiter Vers hat mich zum Nachdenken gebracht: „Wir wissen aber: Denen, die Gott lieben, dient alles zum Guten. Es sind die Menschen, die er nach seinem Plan berufen hat.“ (Römer 8,28)

Laut diesem Vers beruft Gott. Und was ist, wenn ich nicht berufen bin? Das ist Pessimismus: Da ist von berufenen Menschen die Rede und ich denke darüber nach, nicht berufen zu sein.

Der Vers startet mit der Aussage: „Wir wissen…“ Das Wort für ‘wissen’ meint auch ‘kennen’. Wissen hat damit zu tun, was ich kennengelernt habe. Wissen meint nicht „mathematisches“ Wissen. Hoffnung ist nie mathematisch. Sondern zu wissen meint, dass ich etwas erfahren habe und darauf aufbaue. Wissen meint also jemanden näher kennen zu lernen und zu vertrauen. Ohne zu vertrauen gibt es auch keine Hoffnung. Wissen basiert hier darauf, wie sich Gott gezeigt hat.

Dann heißt es weiter, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten dienen muss. Es ist also egal, was kommt. Der Ausgang ist klar. Dieser Satz sagt auch: Nicht alles, was dir passiert, hat einen Sinn. Nicht alles ist Gottes Plan. Manchmal passiert etwas schreckliches und wir fragen danach, warum Gott das zulässt. Wir vermuten, dass Gott damit etwas bewirken oder sagen will, was wir noch nicht verstanden haben. Aber diese Frage bringt uns nicht unbedingt weiter, weil es vielleicht gar nicht diesen Sinn gibt. Es mag sein, dass dir etwas zustößt, was einfach nur böse, schlecht und sinnlos ist. Es wird dir nicht weiterhelfen nach dem Sinn darin zu suchen. Es gibt ihn nicht. Aber denen die Gott lieben muss auch das zum Guten dienen. Obwohl es keinen Sinn macht, muss dir etwas weiterhelfen.

Das gilt für den, der Gott liebt. Liebe ich Gott? Genug? Woran liegt es, ob mein Leben gelingt und ich hoffen kann? Liegt es daran, wie geschickt ich bin oder ob ich gute Voraussetzungen habe? Laut Paulus an einer Beziehung und an Liebe. Und bevor wir auf die Idee kommen zu fragen, ob wir genug lieben, setzt der Vers direkt etwas dagegen. Lieben tun die Menschen, die Gott nach seinem Plan berufen hat. Mit anderen Worten: Es liegt nicht an dir. Du kannst dir weder auf die Schulter klopfen, noch in die Verzweiflung flüchten. Ob dein Leben gelingt, liegt an Gott. Es liegt nicht daran, dass du schlau genug warst, die richtige Entscheidung zu treffen. Es liegt nicht an deiner Anstrengung. Die Hoffnung liegt überhaupt nicht in dir.

Plötzlich entgleitet uns alles aus den Händen. Wenn das so ist, dann können wir gar nichts tun, oder? Dann sind wir darauf angewiesen, dass Gott es gut meint, oder? Genau das ist es. Du bist darauf angewiesen, dass Gott es gut meint. Und du kannst ihm das jetzt glauben oder du weigerst dich. Klar ist nur: An dir hängt es nicht.

Sind wir damit alle Verantwortung los? Das habe ich nicht behauptet und das sagt auch dieser Vers nicht. Gott fordert von uns sehr wohl, Verantwortung zu übernehmen.

Paulus verrät nach unserem Vers auch, worauf Gott mit uns hinaus will. Manche Christen denken: „Diese Welt ist böse. Irgendwann komme ich in den Himmel und da ist es gut.“ Aber nicht diese Welt ist böse. Diese Welt hat Gott geschaffen und die ist ziemlich gut. Sondern: Diese Zeit ist böse und es kommt die Zeit, die gut ist. Das Böse liegt nicht an dem, was hier geschaffen ist. Das Böse liegt darin, dass wir Gott nicht als Gott anerkennen, sondern so tun, als läge es an uns. Wir beten etwas anderes an, als Gott. Das Ziel von Gott für uns ist laut Paulus, dass wir nach dem Bild von Jesus neu gestaltet werden. Wir (!) werden neu. Jesus ist dann der Erste unter vielen Brüdern und Schwestern.

Worauf hoffst du? Auf dich? Hoffst du darauf, dass du glaubst? Und was ist, wenn du zweifelst? Ich hoffe darauf, dass Gott Gedanken des Friedens über mich hat. Ich hoffe darauf, dass Gott alles, was mir passiert, mir dienen lässt. Ich hoffe darauf, dass ich Jesus folgen darf, also nach seinem Bild neu gemacht werde. Ich hoffe auf Gott. Worauf soll ich sonst hoffen?

3 Ausblick

Zum Schluss ein Ausblick. In der Bibel heißt es, dass irgendwann Gott alles unterworfen sein wird. Es gibt dann keine Feinde mehr und es gibt kein Misstrauen mehr. Niemand zweifelt mehr. Es ist alles geklärt. Niemand und nichts lehnt sich gegen Gott auf. Auch nichts in mir. Paulus schließt: „Das geschieht, damit Gott alles umfasst und in allem gegenwärtig ist.“ (1. Korinther 15,28)

Es gibt nichts mehr, wo Gott fremd oder nicht gegenwärtig ist. Es gibt keinen Bereich, in dem Gott ausgeschlossen ist oder seine Gegenwart fehlt. Es gibt keinen gottlosen Bereich. Das lässt hoffen.

Was passiert mit dir, wenn du glaubst, dass Gott dir Zukunft und Hoffnung schenkt und es nicht an dir liegt? Wirst du die Füße hochlegen? Oder Gott näher kennenlernen wollen?