| Predigt Handout

10.09.23 Entgiftung: Ablehnung

Hier kannst du den Beitrag als pdf herunterladen: Lk5v1-11_Ablehnung_AB

1 Angst vor Ablehnung

Heute beschäftigen wir uns mit einem weiteren Gift in uns: Abgelehnt werden. Manchmal haben wir nur Angst davor. Manchmal passiert es wirklich. Wir werden abgelehnt, weil wir nicht genügen: Nicht stark genug, nicht ausgebildet genug, nicht schön genug, nicht jung genug. Manchmal werden wir abgelehnt, weil jemand etwas an uns findet, was stört oder sogar anwidert. Vielleicht wird das auch benutzt, um uns auszustechen. Abgelehnt werden ist ein Gift und es entfaltet seine zerstörerische Wirkung. Wir sind so angelegt, dass wir Gemeinschaft mit anderen Menschen brauchen und suchen. Wir wollen verbunden sein, gesehen und angenommen werden. Freundschaft ist ein Lebenselixier. Aber wenn wir als Mensch abgelehnt werden, dann werden wir bitter, vorsichtig, angriffig. Manchmal werden wir unbewusst abweisend aus der Angst heraus, sowieso irgendwann abgelehnt zu werden.

Dazu schauen wir wieder eine Geschichte aus der Bibel an. Spannend ist, dass Gott sich in unserer Welt zeigt. Wie begegnet er uns in unserem Gift?

2 begrenzt

An diesem Tag herrschte eine müde und depressive Grundstimmung. Es war schlecht gelaufen für Simon. Er durchlebt einen dieser Tage, wo du mit dem falschen Fuß aufgestanden bist und alles schief geht. Wenn uns nichts gelingt, dann fühlen wir uns schlecht. Nicht selten macht das auch etwas mit unserem Selbstbewusstsein. Es fühlt sich für uns viel besser an, wenn wir abends wissen, dass wir etwas geleistet haben und Ergebnisse liefern können. Jesus trifft Simon an solch einem Tag, an dem er keinen Erfolg hatte. Vielleicht ist Simon jetzt, wo er nichts vorzuweisen hat, besonders offen? Wieder mal hat Simon erlebt, dass er nicht alles im Griff hat und begrenzt ist.

Jesus ist am Ufer. Weil ihn alle hören und sehen wollen, drängen sie sich immer näher an ihn. Je mehr Menschen es werden, desto enger wird es. Simon hält sich in sicherem Abstand auf. Er ist unbeteiligt und mit sich selbst beschäftigt. Frustrierte Fischer auf der einen Seite. Viele Menschen die unbedingt Jesus hören wollen auf der anderen Seite. Dann passiert es doch und Jesus spricht Petrus an. Er braucht seine Hilfe. Wenn er mit dem Boot ein paar Meter auf den See hinausfährt, dann halten die Menschen Abstand, weil sie nicht im Wasser stehen wollen. Was wird Petrus wohl gedacht haben: „Muss das auch noch sein?“ „Warum ausgerechnet ich?“ Oder hat er sich gefreut? Auf jeden Fall ist das der Anfang einer Gottesbegegnung: Jesus bittet um einen Gefallen. Die Gottesbegegnung fängt nicht damit an, dass Gott ein Zeichen schickt oder wundersam eingreift. Sie beginnt damit, dass Petrus hört, dass seine Hilfe gebraucht wird. Andere Menschen um einen Gefallen zu bitten ist ein ganz wichtiges zwischenmenschliches Signal.

Simon fährt Jesus ein Stück vom Ufer weg und hört zu, wie Jesus redet, aber das führt bei Simon zu keiner Reaktion. Als Jesus fertig ist, wendet er sich direkt an Simon. Er fordert Simon auf, zum tiefen Wasser zu fahren und die Netze auszuwerfen, um Fische zu fangen.

3 gegen die Erfahrung

Wieso sagt Jesus das? Weiß er davon, dass Simon schon die ganze Nacht gefischt hat und nicht einen blöden Fisch erwischt hat? Weiß er, dass Simon frustriert ist? Und warum schickt Jesus ihn jetzt zum fischen? Jeder weiß, dass man nicht am Tag fischt. Jesus hätte hätte den großen Fang in der nächsten Nacht versprechen können. Oder er hätte Simon eine Predigt halten können, warum Reichtum unwichtig ist und dass er sich keine Sorgen machen soll. Macht Simon sich nicht zum Affen, wenn er jetzt fischen geht? Was werden die anderen über ihn denken? Und haben sie nicht gerade die Netze sauber gemacht? Wird es nicht Zeit mal zu schlafen?

Der Satz von Jesus hat es in sich: Jesus fordert Simon auf, gegen seine Erfahrung und gegen die Vernunft zu handeln. Er soll etwas tun, von dem er sich sicher ist, dass es keinen Sinn macht. Das ist als hätte eine Person dich schon hundertmal abblitzen lassen und jetzt sollst du wieder versuchen Kontakt zu knüpfen. Alles, was du weißt und bisher erlebt hast, spricht dagegen. Es ist als hättest du den verlorenen Schlüssel überall gesucht und den Rucksack komplett ausgeräumt, aber jetzt noch mal im Rucksack schauen sollst. Simon soll zum tiefen Wasser fahren und gibt Jesus eine interessante Antwort: „Meister, wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen.“ (Lukas 5,5)

Was ist dein Misserfolg, deine Mühe ohne Lohn?

Gegen seine Erfahrung zu handeln ist ein schwieriger Schritt. Das tun wir normalerweise nicht. Nehmen wir an, du bist mal abgelehnt worden. Diese Erfahrung wird sich tief in dein Gedächtnis eingegraben haben. Du wirst bei dem nächsten Menschen nicht vertrauen, als wäre vorher nichts passiert. Was du erlebt hast, macht etwas mit dir. Es setzt sich in uns fest. Deshalb gehen Kinder manchmal so unbedarft an etwas heran, weil sie es noch nicht besser wissen. Wenn wir Erfahrung haben, gibt es innere Warnleuchten und Blockiersysteme. Wir können auch unser Wissen nicht einfach über Bord werfen. Wir können nicht glauben, dass etwas einfach so in der Luft schwebt. Wir wissen, dass die Schwerkraft da ist. Wir können unsere Erfahrung und unser Wissen nicht einfach ablegen. Zum Glück. Und manchmal auch leider. Nicht jede Erfahrung bringt uns nach vorne. Leider können uns Erfahrung auch einschränken. Wann ist es sinnvoll, etwas gegen unser Wissen und gegen unsere Erfahrung zu versuchen?

Simon tut das, weil Jesus es ihm sagt und weil er Jesus für vertrauenswürdig hält. Er nennt ihn Meister. Also hält er Jesus für jemanden, der noch schlauer ist als er und einen besseren Durchblick hat. Es bringt nichts, einfach mal gegen seine Erfahrung zu handeln. Das ist Leichtsinn. Es macht nur dann Sinn, gegen unser Wissen zu handeln, wenn jemand der vertrauenswürdig ist, uns auffordert. Ich bin mir aber sicher: Das bringt uns ins Schwitzen. Es gibt kaum etwas schwereres, als gegen die Erfahrung zu handeln. Wenn wir gegen unser Wissen handeln, dann besteht die Gefahr, dass wir uns zum Affen machen, dass wir scheitern, dass wir Verluste einfahren. Aber wenn uns eine vertrauenswürdige Person ermutigt, dann kann das Sinn machen. Kann es sein, dass Gott dich auffordert gegen deine Erfahrung, gegen dein Wissen, gegen das was du bisher geglaubt hast, einen neuen Weg einzuschlagen?

4 nachfolgen

Petrus macht sich also auf den Weg ins tiefe Wasser. Ohne groß Spannung aufkommen zu lassen, erzählt der Bibeltext prompt, dass sie so viele Fische fangen, dass die Netze zu zerreißen drohen. Sie winken den Teilhabern. Als sie zur Hilfe kommen, halten zwar die Netze, aber die Boote drohen zu sinken. Simon wagt also, seine Erfahrung hinten an zu stellen und er gerät gleich zwei mal in Not. Allerdings in eine ganz andere Richtung, als er gedacht hatte: Er fängt nicht erfahrungsgemäß nichts, sondern er fängt mehr, als er zu bewältigen in der Lage ist. Trotzdem kommt er an Land und in ihm bricht etwas auf: Die Angst abgelehnt zu werden überwältigt ihn. Stärker als jemals vorher in seinem Leben bricht sie sich Bahn. Simon fällt vor Jesus auf die Knie. Sich zu verbeugen zeigt: Ich bin dir nicht ebenbürtig. Ich bin nicht dein Partner. Ich bin nicht wie du. Simon bittet Jesus fortzugehen. Bevor er abgelehnt wird, macht er selbst den Schnitt. Simon erkennt seine eigene Unzulänglichkeit. Er genügt nicht und deshalb ist verlassen werden die beste Lösung.

Noch zwei komische Dinge passieren in unserer Geschichte. Erstens: Jesus geht nicht. Zweitens: Jesus beruft Simon. Jesus sagt: „Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein!“ (Lukas 5,10) Seinen Mangel vor Augen geführt zu bekommen ruft eine tiefe Befürchtung in uns aus. Es ist nicht so schlimm, wenn Menschen uns ablehnen, die wir sowieso nicht leiden können, so lange es wenige sind. Aber es macht uns Angst, zu Recht abgelehnt zu werden. Simon hört, dass er nichts zu befürchten hat. Jesus bleibt.

Indirekt fordert Jesus Simon auf, ihm nachzufolgen. Er soll jemand sein, der Menschen fängt. Das klingt in unseren Ohren vielleicht nach einer Art Rattenfänger. Was Jesus Simon aber hier eigentlich sagt, ist: Er, der Angst davor hat, abgelehnt zu werden, wird ein Mensch, der Gemeinschaft herstellt. Gott sieht dich anders. Jesus macht dich zu dem Menschen, den er in dir sieht.

Jesus gibt Simon den Berechtigungsschein in die Hand, mit ihm zu kommen und sein Schüler zu werden. Das passiert auch prompt. Simon und seine Teilhaber ziehen die Boote an Land und verlassen sie um Jesus zu folgen. Ohne loszulassen gibt es keinen neuen Weg.

Was bedeutet es Jesus nachzufolgen? Erstens: In unserem Leben bekommt Gewicht, wie Jesus uns sieht. Was Jesus über uns denkt, lernen wir kennen, wenn wir ihm folgen. Zweitens: Jesu Sicht der Dinge kennen zu lernen. Von Jesus lernen, was geht und was nicht geht. Jesus fordert uns heraus, unsere Erfahrung zu hinterfragen und auf ihn zu hören.