| Predigt Handout

03.09.23 Entgiftung: Elias Enttäuschung

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1 Lebbe geht weider?

1992 war Eintracht Frankfurt kurz davor, den Meistertitel zu holen. Nur noch ein Sieg gegen den Absteiger fehlte. Aber sie haben verloren und die Meisterschaft war futsch. Und der Satz des Trainers ist in die Geschichte eingegangen. Stepanovic meinte nur trocken: „Lebbe geht weider“. Heute sagt Stepanovic: „Meine Mutter hat immer gesagt, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Diese musst du aber so schnell wie möglich finden, denn das ‚Lebbe geht weider‘ und wartet nicht auf dich“. (https://www.combi-medien.de/lebbe-geht-weider-ein-zitat-und-seine-geschichte) Für welches Problem suchst du gerade eine Lösung? Wofür kämpfst du leidenschaftlich? Was hat nicht geklappt? So ein Spiel wie die Eintracht nach einem Jahr harter Arbeit zu verlieren, tut weh. Aber gibt härtere Einschläge. Elia hatte gekämpft. Bei ihm ging es nicht nur um ein Fußballspiel, denn bei ihm war tatsächlich fraglich, ob das Lebbe weider geht.

2 Ehrgeiz

Elia hatte sich mit dem amtierenden Herrscher Ahab angelegt. Als Prophet wollte er Israel dahin führen, an Gott zu glauben. Aber Ahab war angestiftet von seiner Frau Isebel Gott untreu geworden. Er hatte zugelassen, dass andere Götter angebetet wurden. Elia aber wehrte sich. Er wollte, dass alle anderen Götterbilder und Altäre aus dem Land vertrieben wurden und nur noch an Jahwe geglaubt wurde.

Von Gott beauftragt kündigte er eine Trockenheit an. Drei Jahre lang fiel kein Tropfen vom Himmel. Ahab lenkte aber nicht ein, sondern wollte Elia loswerden. Am liebsten hätte er ihn tot gesehen. Obwohl Ahab keine Einsicht zeigte, beschloss Gott, dem Land wieder Wasser zu geben. Er schickt Elia los, sich Ahab zu zeigen und den Regen anzukündigen.

Elia hat einen Plan. Er möchte eine Entscheidung herbeiführen. Er möchte einen Kampf zwischen Gott und den von Isebel eingeführten Göttern. Er möchte beweisen, wer der wahre Gott ist. Ist dieser Plan, den Elia ausführt, eigentlich sein eigener Plan oder der von Gott? Ahab geht darauf ein. Alle werden gerufen und versammeln sich auf dem Berg Karmel. Elia steht auf der einen Seite. Gegenüber sind 450 Priester, die Baal dienen. Elia fordert das Volk auf, sich auf eine Seite zu schlagen. Aber die stehen nur schweigend vor ihm. Die Masse trifft keine Entscheidung. Sie schweigen. Elia macht einen Vorschlag, wie sie herausfinden können, welcher Gott wirklich lebt. Jeder bereitet ein Opfer vor, zündet es aber nicht an. Welcher Gott Feuer vom Himmel fallen lässt, den gibt es wirklich. Alle sind einverstanden. Elia zelebriert den Kampf. Er inszeniert eine große Show, provoziert, treibt auf die Spitze und geht bis zum Äußersten. Er ist mit ganzem Herzen und vollem Einsatz dabei. Bei Baals Opfer passiert nichts. Aber bei Gott. Er stellt sich zu Elia und es fällt Feuer vom Himmel, dass alles auf dem Altar auffrisst. Das Volk fällt überwältigt vor Gott nieder. Aber damit ist es nicht genug. Elia befiehlt, die Priester Baals aufzuhalten. Er lässt sie an den Bach führen und schlachtet sie ab. Elia im Blutrausch. Danach kündigt Elia Regen an und noch am gleichen Tag zieht sich der Himmel zu. Elia hatte ein Ziel. Und er gibt alles dafür, dieses Ziel zu erreichen. Er wirft alles in eine Waagschale. Er setzt sein Leben ein. Er geht in den Machtkampf und stellt sich. Was sind deine Lebensziele? Wofür opferst du dich auf? Was willst du unbedingt durchsetzen?

3 Der Zusammenbruch

Alles scheint gut gegangen zu sein. Ein neues Kapitel in der Geschichte Israels scheint aufgeschlagen worden zu sein. Doch Ahab erzählt Isebel, was passiert ist. Er berichtet auch von den toten 450 Priestern. Die wird daraufhin richtig wütend und schickt Boten zu Elia. Sie droht ihm den Tod an: „Morgen um diese Zeit soll es dir ergehen wie den Propheten, die du getötet hast!“ (1. Könige 19,2) Damit schlägt Isebel ein neues Kapitel auf und nimmt das Heft wieder in die Hand. Der scheinbar gewonnene Machtkampf geht in die nächste Runde. Auf Gewalt antwortet sie mit Gewalt.

In diesem Augenblick bricht Elia in sich zusammen. Er verliert den Lebensmut. Wieder muss Elia fliehen. Wieder hat Isebel die Hoheit über das Land. Die Priester sind zwar tot, aber die Strippenzieherin lebt. Das Böse geht weiter. Welches Problem dachtest du gelöst zu haben? Elia geht Richtung Wüste und bittet Gott sterben zu dürfen: „Herr, nimm mir doch das Leben! Denn ich bin nicht besser als meine Vorfahren.“ (1. Könige 19,4) Danach schläft Elia ein, bereit, nie wieder aufzuwachen. Das schlimmste ist für ihn, dass sein ganzer Einsatz nichts gebracht hat. Isebel macht weiter. Das Volk wird wieder rückfällig werden. Wenn du kämpfst, weil du dein Lebensziel verwirklichen willst, wenn du alles auf eine Karte setzt und dann scheiterst, dann ist das bitter. Dann ist es schwer zu sagen, „Lebbe geht weider“. Elia hat nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt. Er hat geglaubt, etwas verändern zu können und es ist ihm nicht gelungen.

  • Elia ist mutlos. Was sollte ihm auch Mut machen? Mehr als das, was gewesen ist, geht nicht. Was macht dich mutlos?
  • Elia ist enttäuscht. Was er vorher geglaubt hat, dass er etwas bewirken kann, hat sich als Täuschung herausgestellt. Was hat dich enttäuscht?
  • Elia ist außerdem eingeschüchtert. Er ist sich seines Lebens nicht sicher. Isebel hat sich wieder durchgesetzt. Was schüchtert dich ein?

Manchmal werden wir in unseren Grundfesten erschüttert. Da bricht der Boden unter unseren Füßen zusammen. Was lässt den Gedanken in dir aufkommen: Ich wünschte, mein Leben wäre zu Ende? Gott begegnet Elia in dieser Situation. Langsam. Sensibel. Mit Zeit.

4 Die Gottesbegegnung

Ein Engel bringt Essen und Trinken. Er berührt Elia und weckt ihn auf. Elia isst und trinkt und schläft weiter. Der Engel kommt noch einmal. Berührt. Wieder mit Essen und Trinken. Elia soll sich für den Weg stärken. Die Bibel erzählt von 40 Tagen und Nächten, die Elia dann geht. 40 ist kein Zufall. 40 Jahre war Israel durch die Wüste gewandert. Elia geht auch nicht zu irgendeinem Berg, sondern dem Berg. Er geht an den Ort, wo alles begann. Er geht zu dem Berg, wo Gott den Bund mit Israel geschlossen hatte und die Gebote überreicht hat.

Als Elia ankommt, übernachtet er in einer Höhle. Das ist ein typischer Ort, um zu übernachten aber auch symptomatisch: Elia verkriecht sich. In welcher Höhle steckst du? Aber auch in der Höhle erreicht Gott ihn und stellt ihm eine Frage, die er noch einmal wiederholen wird: „Was tust du hier, Elija?“ (1. Könige 19,13) Gott fragt nicht: „Wie geht es dir?“, oder „Was ist passiert?“. Gott fragt nach, was Elia erwartet. Er fragt, ob er aufgegeben hat. Wozu befindest du dich an diesem Ort? Was hat dich dorthin geführt, wo du jetzt bist? Was versprichst du dir davon?

Elia antwortet: „Bis zum Äußersten bin ich für dich gegangen. Alles habe ich für dich getan, für den HERRN, den Gott Zebaot! Denn die Israeliten haben deinen Bund verlassen. Sie haben deine Altäre niedergerissen und deine Propheten mit dem Schwert getötet. Ich allein bin übrig geblieben. Doch jetzt wollen sie auch mich umbringen!“ (1. Könige 19,10) Alles in dieser Antwort redet von Kampf und Gewalt. Da wird niedergerissen und getötet. Nicht umsonst nennt er Gott „Zebaot“ („Gott der Heerscharen“). Für diesen Gott hat er gekämpft. Aber Elia hat den Kampf verloren. Er macht Gott nicht direkt einen Vorwurf. Aber indirekt ist es kaum verständlich, warum der Gott der Heerscharen nicht eingegriffen hat. Bei Elia ist kein Stein mehr auf dem anderen. Alles, woran er geglaubt hat und wofür er gekämpft hat, ist zusammengebrochen. Er zweifelt nicht an Gott. Jedenfalls nicht direkt. Indirekt schon. Und so fordert Gott ihn auf, die Höhle zu verlassen und vor ihn zu treten.

Noch bevor Elia irgendetwas tun kann, geht es auch schon los. Ein starker Wind bricht reißt Felsbrocken ab und schleudert sie durch die Gegend – eine nicht zu bändigende Naturgewalt. Ist Gott nicht so? Wird nicht an anderen Stellen davon geredet, dass Gott wie ein Sturm handelt? Aber Gott ist nicht im Sturm. Auch im Beben ist Gott nicht und auch nicht im Feuer, dass als drittes kommt. Was erwartest du? Wo bist du von Gott enttäuscht? Oder von dem, was Gott erreicht? Danach kommt ein „sanftes, feines Flüstern“ (1. Könige 19,12). Das Wort für ‘Flüstern’ meint die Stille nach dem Sturm. Es steht zusammen mit dem Wort fein – im Sinne von abgemagert oder fein wie Straßenstaub. Es ist die Rede von einer „Stimme einer dünnen Stille“. Kaum zu hören. Ein Hauch nach dem Sturm. Elia erkennt Gott. Da ist er. Erst jetzt tritt Elia an den Eingang der Höhle. Vorher hatte er vielleicht Respekt oder Angst. Aber jetzt verhüllt er sein Gesicht mit dem Mantel und tritt ehrfürchtig hervor. Das ist der Unterschied zwischen Angst und Ehrfurcht. Dieser Hauch ist beeindruckender als die Naturgewalten vorher. Elia war auf den Machtkampf aus. Er wollte mit Gewalt gewinnen. Vielleicht mögen wir Gott lieber, wenn er mit Macht eingreift und zum Schweigen bringt, was böse handelt oder wenigstens groß auftrumpft. Elia wollte die Umkehr erzwingen. Er ist gescheitert. Die Gewalt ist gescheitert. Sie hat nichts geändert. Sie hat nur neue Gewalt hervorgerufen. Das Verhalten der Menschen wird weiter zur Gewalt führen und einer übertrifft den anderen – so wird es laut Gott weitergehen. Aber Gott ist da, wenn es scheinbar anders aussieht. Wir schauen nach dem was groß ist, was uns beeindruckt, mit Gewalt verändert. Gott begegnet in dem, was unscheinbar ist und niemand wahrnimmt. Hast du aufgegeben? Gott ist da…